Vergebung ist gesund

Das heilsamste Gefühl überhaupt

Vergebung ist das heilsamste Gefühl überhaupt

Ein Boot liegt mit Schlagseite in der Gezeitenzone am Strand fest.

(Foto Beckmann)

Vergebung ist gesund Bedürfnisse auf dem Trockenen

Vergebung ist Gesund - ein Boot auf dem Trockenen

Im Leben passiert es, dass wir von anderen verletzt werden. Dann stranden wir mit unseren Bedürfnissen und liegen plötzlich mit unseren Interessen auf dem Trockenen. Bei genauer Betrachtung stellen wir dann fest, dass Ereignisse, die wir nicht beeinflussen können, den Boden unter unseren Füßen verändern und uns mit Schlagseite zurücklassen.

Wir können nur bei uns selbst ansetzen wenn wir unsere Stärke zurück bekommen wollen und die Verletzung heilen. Wenn wir unseren Frieden und unsere Freiheit haben wollen, dann gibt es letztlich zwei Möglichkeiten:

  1. Alles bleibt wie es ist und ich warte darauf, dass andere sich so verhalten, wie es mir gut tut:

    "Ich akzeptiere, dass das Wasser weggeht und ich Schlagseite bekomme und ich finde einen Weg damit zu leben."

  2. Ich stelle mich meiner Verletzung, ordne meine Gefühle ein und finde einen Weg zu neuer Stärke:

    "Ich überlege welche Ressourcen mir zur Verfügung stehen, um mein Boot zukünftig an einer für mich besseren Stelle festzumachen."

Vergebung


bedeutet

  • Vergebung ist eine Wahlmöglichkeit.
  • Inneren Frieden zu spüren, wenn ich es schaffe die Kummerspirale zu beenden.
  • Ist etwas, was mir meine Kraft zurückbringt.
  • Ich übernehme die Verantwortung für meine Gefühle.
  • Ich tue etwas für meine Heilung und nicht für die Person, die mich verletzt hat.
  • Vergebung ist trainier- und lernbar.
  • Sie hilft mir über meine Gefühle bewusster zu werden.
  • Sie kann meine seelische und körperliche Gesundheit verbessern.
  • Ich werde ein Held sein, anstatt eines Opfers.

bedeutet nicht

  • Hinwegsehen über liebloses und unfreundliches Verhalten
  • Ich vergesse nicht, dass etwas Schmerzvolles passiert ist.
  • Es ist keine Entschuldigung für schlechtes Benehmen.
  • Vergebung muss keine übernatürliche oder religiöse Erfahrung sein.
  • Es ist keine Verleugnung oder Kleinreden meines Schmerzes.
  • Es bedeutet nicht die Aussöhnung mit dem Täter.
  • Bedeutet nicht, dass ich meine Gefühle abstumpfe oder verleugne.

Die etablierte Kummergeschichte und ihre Folgen

Ein tiefes menschliches Bedürfnis besteht darin ein Erlebnis, in dem uns andere das vorenthalten, was wir uns wünschen oder brauchen, immer und immer wieder als Geschichte erzählen (Jammern und Klagen) oder gedanklich durchspielen. Mit jedem Mal wird das Erlebnis bunter, die damals erlebten Gefühle erleben wir in gleicher Stärke (oft sogar intensiver) nochmal; die Geschichte beginnt ein Teil von uns zu werden.

Kummergeschichte

Wir haben uns eine „grievance-story“ kreiert, wie Dr. Frederic Luskin diesen Teil der Kummerspirale bezeichnet. Dies ist eine Opfergeschichte über uns, in der wir wieder und wieder unsere Schwäche, Ohnmacht, Wut und Bitterkeit spüren. Die damit verbundene Ausschüttung von Stresshormonen verändert negativ die Denkfähigkeit und das emotionale Erleben. Organe können nachhaltig geschädigt werden und unser Wohlbefinden einschränken. In diesem Zustand können wir weder aus dem Erlebten lernen, noch vermögen wir uns besseren, schöneren, reicheren Gedanken und Plänen zuzuwenden.

Kummerspirale

Wie entsteht dieser Nährboden für Verbitterung? Was erhält ihn so stark und wie erkenne ich, dass ich in eine Kummerspirale geraten bin?

  • Du hast etwas zu persönlich genommen
  • Du kannst nicht damit aufhören die Person, die Dich so verletzt hat zu beschuldigen
  • Du hast Dir eine Kummer-Geschichte aufgebaut

Wenn ich jemandem etwas nachtrage, bestrafe ich mich nur selbst. Ich gebe dem Täter weiterhin Macht über mich, wenn ich die Geschichte meines Leids immer wieder aufleben lasse und damit immer wieder in die Gefühlswelt zum Zeitpunkt der erlittenen Tat eintauche. Wenn mir das bildlich bewusst wird, dass ich einem Anderen eine Schuld und damit eine Last sinnlos hinterher trage, dann kann mir das die nötige Motivation geben, endlich aus meinem selbstschädigenden Verhalten auszusteigen.

Verbitterung als Krankheitsbild

Wir erleben Kränkungen oder fühlen uns von anderen verletzt. Dabei merken wir, dass es oft gar nicht so leicht ist, zu vergeben. Wenn wir eine Kränkung nicht loslassen, dann gärt es in unserem Inneren. Negative Gefühle wie Wut, Angst, Rachegelüste oder Schmerz führen schließlich zu Verbitterung und das macht Körper und Seele nachweislich krank. Die Auswirkungen von chronisch erhöhten Stresshormonen auf Organe und Psyche wurden in den letzten Jahren immer bewusster, sodass zahlreiche wissenschaftliche Studien durchgeführt wurden, um die Zusammenhänge zu evaluieren. Medizinische Untersuchungen belegen, wie gesundheitsfördernd es ist, wenn jemand vergeben und Schuld loslassen kann. Vergeben wirkt heilsam und macht uns stark Frederic Luskin von der Stanford University hat im Rahmen eines Forschungsprojekts ein psychologisches Training entwickelt, bei dem verbitterte Menschen lernen, ihren Tätern zu verzeihen. Es geht ihm dabei nicht darum, die verletzende Erfahrung aus dem Gedächtnis zu löschen oder das Erlebte kleinzureden, sondern die zerstörerische Wirkung der Verbitterung zu stoppen.

Luskin setzt dabei auf die Kraft der Vergebung und kann als Ergebnisse unter anderem vorweisen:

  • Vergebung senkt den Blutdruck und das Cortisol im Blut.
  • Vergebung wirkt gegen Rückenschmerzen, Depressionen und chronischen Schmerzen.
  • Vergebung unterstützt dabei angefressene Pfunde loszuwerden.
  • Vergebung hilft gegen Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Schwindel und weitere psychosomatische Beschwerden.

Was hindert uns zu vergeben?

Was hält uns davon ab, vergeben zu können oder zu wollen?

  • Der Schmerz ist zu groß, die Kränkung zu traumatisch. Unsere ganze Energie ist auf das kränkende Ereignis und die verursachende Person gerichtet.

  • Wir möchten es heimzahlen und uns rächen, doch der Moment der Genugtuung ist kurz und danach geht es uns häufig nur noch schlechter. Strafrechtliche und moralische Konsequenzen richten den übrigen Schaden an.

  • Wir haben Angst davor, unser Gesicht zu verlieren. Die Scham über das Erlebte, die Verbitterung und Wut lastet auf unseren Schultern und treibt uns in die Enge.

Wir wollen Recht bekommen, indem wir einen Schuldigen finden und bestrafen, in dem Glauben das würde unsere Verletzung heilen. Selbst wenn wir vergeben wollen, wissen wir nicht wohin mit unserer Kränkung. Pauschales Vergeben ist zu oberflächlich und hat keine Nachhaltigkeit, da es zu unkonkret ist. Kränkende Gefühle sind dann leicht erneut zu triggern und führen zurück in die Kummerspirale. Daher ist es hilfreich sich mit gezielter Fragestellung und Anleitung der Verletzung zu nähern und den Weg zur Vergebung konkret, individuell und persönlich auszuarbeiten.

Vergeben ist ein Prozess

Vergebung kann erreicht werden, indem strukturierte Schritte den Weg bereiten. Dieser Prozess gestaltet sich durch das Erreichen von Klarheit - über das was geschehen ist, die Auseinandersetzung mit meinen eigenen Gefühlen und die Einordnung meiner Verletzung in die eigene Geschichte. Diese schmerzhafte Episode wird so beendet, dass es mir gelingt mich nicht mehr als Opfer, sondern als Held zu sehen. Zum Abschluss kann ich mich als gereifte, weiterentwickelte Persönlichkeit wahrnehmen. Der Prozess der Vergebung ist sowohl schmerzhaft als auch befreiend. Die Dauer dieser Entwicklung spielt keine Rolle, denn alles hat seine Zeit.

Eine beratende und unterstützende Begleitung durch psychologisch qualifizierte Coaches und Therapeuten kann helfen die ersten Schritte gemeinsam zu gehen.

Im pathologischen Ausmaß kann sogar eine Posttraumatische Verbitterungsstörung (ICD-10, F43) diagnostiziert werden. Eine Abgrenzung zu anderen psychischen Krankheitsbildern ist gut möglich und auch eine Therapie ist durchaus aussichtsreich.

2019-03-18

Quellen:
"Dr. Frederic Luskin, Forgive for Good, A Proven Prescreption for Health and Happiness, 2003"

vgl. ebenfalls: https://greatergood.berkeley.edu

Medizinischer Bezug aus: „M. Linden: Verbitterung und Posttraumatische Verbitterungsstörung (9783840928222) © 2017 Hogrefe Verlag, Göttingen“

https://mediation-beckmann.de/mediator-blog/

Mediation Beckmann

Westerholtstr. 15, 44801 Bochum

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