Konflikte verleugnen oder handeln?

Drei Irrtümer über Konflikte

Eine Studie aus Österreich untersucht die Konfliktkosten in Unternehmen. Dieser Artikel behandelt einige reflektorische Reaktionen von Menschen, die auf das Thema angesprochen werden.

Ein Hund ist in seiner eigenen Leine verwickelt. Hilfe - nein! Ich brauche keine Hilfe zur Konfliktlösung

Hilfe? Nein, ich brauche keine Hilfe.

(Foto Beckmann)

Verleumdung

Ich habe gar keine Konflikte!

Überschätzung

Ich brauche keine Hilfe im Umgang mit Konflikten.

Kapitulation

Wir haben schon alles versucht.

Verleumdung - Ich habe gar keine Konflikte

Aus der Sicht als Führungskraft mag das so sein. Die entscheidende Frage ist: Sehen die Mitarbeiter das genau so? Auch wenn dieser Zustand im ersten Moment wünschenswert erscheint, ist er in der Praxis gefährlich, denn schließlich ist der Konflikt auch der Motor des Wandels.

Eine Studie hat ermittelt, dass eine Führungskraft mit 10 Mitarbeitern jedes Jahr durchschnittlich drei belastenden Konflikten ausgesetzt ist. Eine östereichische Studie zeigt, dass Konflikte in der Kostenstruktur eines Unternehmens mit durchschnittlich 15% zu Buche schlagen. Diese Kosten kommen durch Minderleistungen der Mitarbeiter, Verzögerungen in der Auftragsabwicklung, verpasste Aufträge und Zeitbedarf für die Bewältigung der Konflikte zusammen. Sie lassen sich durch Konfliktmanagment und einen bewussteren Umgang miteinander deutlich reduzieren.

Die Investition in eine Mediation ist vergleichsweise gering und hat ein gute Erfolgsausicht. Die Investition in ein Konfliktmanagementsystem beleuchtet den tatsächlichen Ist-Zustand und kann Strukturen für ein systematisches Vorgehen schaffen.

Überschätzung - Ich brauche keine Hilfe im Umgang mit Konflikten

Dieser Zustand wäre sehr wünschenswert, allerdings haben 50% aller deutschen Führungskräfte noch nie ein Führungskräftetraining besucht. Dabei erfordert die konstruktive Auflösung schwerer Konflikte besondere Maßnahmen. Solange die Parteien sich noch in Win-Win Bereitschaft auseinandersetzen, hilft eine Moderation durch die Führungskraft. Eskaliert der Konflikt in eine Win-Lose Bereitschaft, sind spezielle Kenntnisse für die Konfliktbehandlung wünschenswert. Vgl. Konflikteskalation

Der Versuch, einen Konflikt per Anordnung zu beenden ist so erfolgversprechend, als würden glühende Kohlen mit Erde bedeckt - es schwelt unter der Oberfläche weiter und wehe, wenn wieder Sauerstoff ins Spiel kommt.

Die Sprache ist ein mächtiges und komplexes Werkzeug. Der bewusste Umgang und das vermeiden negativ besetzer Floskeln sind ein Baustein. Kommunikation reparieren bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Parteien im Laufe der Mediation immer wieder zur Anwendung positiver Ausdrücke angehalten werden. Der Effekt ist angenehm, sofort spürbar und hält lange über das Verfahren hinaus an.

Kapitulation - Wir haben schon alles versucht

Varianten: - "Das ist sein Charakter - mit dem kann man gar nicht anders umgehen." - "So sind die Regeln, wir können es nicht anders machen." - "Das haben wir schon immer so gemacht."

Immerhin sind 85% aller Mediationen erfolgreich, obwohl diese Sätze im Vorfeld regelmäßig ausgesprochen werden. Die größte Herausforderung besteht darin, jetzt den ersten Schritt zu tun und einer neuen, vielleicht unbekannten Option eine Chance zu geben.

Ein Weg zur Verbesserung ist die Anwendung der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg. Seine umfassenden Erfahrungen sind wichtiger Bestandteil für eine Verbesserung der Kommunikation und somit auch jeder Mediation. Menschen machen diese Erfahrung und sind überascht, welche positiven Kräfte mobilisiert werden können. Schon kleine Änderungen in der Formulierung wirken oft Wunder. Die bloße Anwesenheit einer neutralen Person im Gespräch ändert das Verhalten. Die Kommunikation über eine neutrale Person mit professioneller Kommunikationsausbildung hilft dem gegenseitigen Verstehen. Übrigens „wir haben schon alles versucht“ meint regelmäßig, wir haben alle naheliegenden Dinge probiert. Eine versuchte Mediation wird nur selten genannt.

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