Kommunales Konfliktmanagement fördern

Der Kongress „Gesellschaftliche Konflikte effizient bearbeiten“ am 7. Dez 2017 in Dortmund war mit rund 90 Teilnehmern aus unterschiedlichen Kommunen in NRW gut besucht. Das übergeordnete Ziel ist die Stärkung der Mediation als Werkzeug zur Konfliktbearbeitung. Die "Landesweite Koordinierungsstelle Kommunale Integrationszentren (kurz: LaKI)" plant zwei weitere Kongresse im Rahmen des Projektes „Kommunales Konfliktmanagement fördern: Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten“.

In seiner Eröffnungsrede beleuchtet Anton Rütten, der Leiter der Abteilung Integration des Innenministeriums, das Themenpaar Integration und Konflikte mit der Frage „Geht das Zusammen?“. Dabei verdeutlicht er, dass die Abwesenheit von Konflikten kein wünschenswerter Zustand und auch kein realistischer Zustand ist. Die Integration sei kein fester Ablauf, bei dem niemand aus der Reihe tanzen darf, sondern vielmehr ein Prozess mit vielen unterschiedlichen Interessen, die um Beachtung ringen. Die Regelung von Konflikten, statt deren Vermeidung, solle im Vordergrund stehen. Das umfasst eine kontinuierliche Reflexion und Qualifikation der Beteiligten, sowie eine Vernetzung zum Austausch der Erfahrungen. Der konstruktive Umgang mit Konflikten führe zu einer Weiterentwicklung der Demokratie.

Kommunales Konfliktmanagement fördern


Im zweiten Vortrag informierte Dr. Susanne Warwick, Leiterin des Bereichs Integration der Stiftung Mercator über die Ziele des Projektes, an dem aktuell sechs Pilotkommunen aus NRW beteiligt sind.  Im weiteren Verlauf gaben die Kommunen Hamm und Duisburg einen Einblick in den Stand der Umsetzung. Die interessierten Vertreter der Kommunen bekamen umfassende Antworten auf Fragen zum Zeitbedarf für die Projektbeteiligten und es wurden Erfahrungen geteilt, wie ein solches Projekt strategisch in einer Kommune (Stadt oder Kreis) gestartet und verankert werden kann.

Konflikt und Gewaltforschung

Zur Verdeutlichung der Bedeutung dieses Projektes im gesellschaftlichen Kontext präsentierte Prof. Dr. Andreas Zick, der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Universität Bielefeld, Ergebnisse aus seinen Forschungen. Seine Zahlen belegen einen Rechtstrend der politischen Ansichten in der deutschen Bevölkerung. Zwischen 2015 und 2017 hat sich die Meinung nach seinen Auswertungen stärker nach rechts verschoben, als das Wahlergebnis der Bundestagswahl vermuten lässt. Die Frage nach Identität ist ein sozialer Vergleich zwischen den Fragen „Wer bin ich?, Wer sind wir? und Wer sind die?“. Wobei „ich" und „wir" sich stets gegen „die“ ausbalancieren. Dazu kommt die Betrachtung „Was steht mir zu?, Was steht uns zu? und Was steht denen zu?“ - auch hier gilt dieselbe Dynamik. Das erklärt unter anderem, warum vermeintlich etablierte Vorrechte stark gegen DIE verteidigt werden. An dieser Stelle kann ein systematisches Konfliktmanagement dazu beitragen, dass Grenzen aufgelöst werden. Auch hier geht es nicht darum Konflikte zu vermeiden, sondern einen passenden Umgang damit zu finden.

Grundsätzlich finden wir diese gesellschaftliche Dimension in kleinerem Maßstab ebenso in jedem Unternehmen. Im konkreten Projekt werden die vorhandenen Erfahrungen aus der Einführung von Konfliktmanagementsystemen für Unternehmen und Organisationen auf Teilbereiche der Kommunen angewendet. Das große Engagement der Pilot-Kommunen stimmt die Beteiligten optimistisch, dass dieser präventive Ansatz sich ausszahlen wird.

Projektstruktur

Das LaKI der Bezirksregierung Arnsberg ist vom Ministerium für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration (MKFFI) mit der Umsetzung des Projektes „Kommunales Konfliktmanagement fördern: Teilhabe und Integration konstruktiv gestalten“ betraut worden und arbeitet mit der Akademie der Ruhr-Universität Bochum zusammen. Gefördert wird das Projekt durch die Stiftung Mercator.  


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