Konfliktkosten: VfL-Bochum Torwart Andreas Luthe posted Interna


Der VfL-Bochum Torwart Andreas Luthe posted bei Facebook, dass er am kommenden Spieltag nicht spielen werde und wünscht seinem Teamkollegen Manuel Riemann viel Erfolg. Damit greift er einer Veröffentlichung der Entscheidung durch Trainer Gertjan Verbeek vor. Als er seinen Post nach rund 30 min wieder löscht, hat im Internet bereits eine Diskussion über die Situation beim VfL Bochum begonnen. Aus der Situation ergeben sich viele Parallelen in den Unternehmensalltag, die ich hier näher betrachte.

Die Vorgeschichte - ein funktionaler Konflikt

Revierpowerstadion Bochum / Foto: Wo st 01/Wikipedia - Lizenz CC-Commons Share Alike 3.0

Der Torwart Andreas Luthe steht seit 2009 beim VfL Bochum unter Vertrag. Im Juli diesen Jahres wurde Manuel Riemann als neuer Torwart verpflichtet. Dank seiner guten Form wird Andreas Luthe für die ersten 16 Spiele der Saison weiter eingesetzt. Ein Beispiel für einen funktionalen Konflikt. Die neue Konkurrenzsituation hat bei Keeper Luthe neue Potentiale ans Licht gebracht und damit der gesamten Mannschaft geholfen. 

Der VfL hat einen exzellenten Start in die Saison und positioniert sich fünf Spieltage auf Platz Eins der zweiten Liga. In den folgenden 11 Spieltagen kann der VfL nur noch 8 weitere Punkte erzielen, rutscht ins Mittelfeld ab und von Trainer Gertjan Verbeek werden Lösungen erwartet. In dieser angespannten Situation werden Konfliktfähigkeit und Konfliktfestigkeit einer Organisation auf die Probe gestellt. Der Trainer ist für einen autoritären Stil bekannt und ihm wird ein harscher Umgangston unterstellt. Es gibt viele andere Aspekte, die seine Führungsrolle als Trainer ausmachen. In der Krise wird er von den Medien auf diese reduziert.

Der Post von Luthe - ein dysfunktionaler Konflikt ist entstanden

Luthe schreibt: 

„Mein Trainer Gertjan Verbeek nimmt damit einen Torhüter aus der Mannschaft, der laut Kicker online zu den notenbesten Spielern der gesamten Zweitligaspielzeit gehört und in 16 Ligaspielen ohne jeden schweren Fehler geblieben ist"

 Er borgt sich hier fremde Autorität, um seine eigenen Qualitäten zu unterstreichen.

„Ich habe diese Entscheidung mit aller Gelassenheit aufgenommen. Meine Stimmung werde (ich) nicht von derartigen Dingen abhängig machen.

Dennoch möchte ich klar ausdrücken, dass die Worte, mit denen diese Entscheidung erklärt werden sollte(n), mich nicht annähernd zufrieden gestellt haben.“

Luthe ist gelassen und nicht zufrieden. Der funktionale Konflikt durch die Konkurrenzsituation mit dem neuen Torwart Riemann wird von Luthe nicht mehr länger als Ansporn verstanden, sondern hat zu einer Situation geführt, die ihn nach seinen Worten nicht mehr annähernd zufrieden stellt. Der Konflikt ist für ihn durch die Entscheidung seines Trainers dysfunktional geworden. Dabei behandelt er nicht die Sache, also dass Riemann jetzt spielen soll, sondern reklamiert die erhaltene Erklärung, die ihn nicht zufrieden gestellt hat. Von außen betrachtet hat der Trainer seinen Job gemacht und die Mannschaftsaufstellung verändert, um ein anderes Ergebnis zu erzielen. Die allgemeine Erwartungshaltung an den Spieler, ist die Entscheidung seiners Trainers zu akzeptieren. Beide, Trainer und Spieler sollen das selbe Ziel erreichen - Spiele gewinnen. Beide haben demnach ein gemeinsames Interesse. Aus der Sicht des Trainer war eine Veräanderung notwendig, der Spieler hätte sich eine zufriedenstellende Erklärung der Entscheidung gewünscht. Eine Organisation profitiert in einer solchen Situation von Konfliktfestigkeit und Konfliktfähigkeit. In der Ausgangslage hat die Organisation von dem Wettbewerb der beiden Teammitgleider profitiert. So wünschenswert es für die Organisation ist, die maximale Leistung des Mitarbeiters zu nutzen, so empfindlich reagiert das System auf Störungen. Die Führungskraft und zwei wertvolle Mitarbeiter befinden sich plötzlich in einem Konflikt, der viele wichtige Ressourcen bindet und Konfliktkosten entstehen. Der unzufriedene Mitarbeiter macht sich auf die Suche nach Verbündeten, die seine Position verstehen und stützen sollen. Das Leistungsmaximum ist in Gefahr.

„Ich muss meinem Trainer Gertjan Verbeek dennoch danken! Er hat mich seit seinem Amtsantritt zu einem besseren und effizienteren Torhüter gemacht.

Ich wünsche Manuel für die kommenden Spiele viel Erfolg!“

Die Formulierung „ich muss … dennoch danken“ bringt einen Zwang und einen Widerspruch zum Ausdruck, die den Dank abschwächen. Dennoch kann Luthe anerkennen, dass die ursprüngliche Konkurrenzsituation eine Leistungssteigerung bewirkt hat. Seine Schlussworte „Ich wünsche … viel Erfolg!“ lassen in diesem Kontext Zweifel über die Intention der Worte aufkommen. Er hat seinen Post nach rund 30 min wieder gelöscht. Nun lösen sowohl der Post als auch seine Löschung öffentliche Spekulationen und Diskussionen aus. Viele Vermutungen unterstellen, dass Luthe vom Verein zur Löschung aufgefordert wurde. Eine andere Möglichkeite wäre, dass seine Leser den Post in eine ganz andere Richtung kommentieren, als er gedacht war und deshalb von ihm wieder gelöscht wurde. Es entstehen durch die Bearbeitung der Veröffentlichung weitere Konfliktkosten.

Die Partie VfL-Bochum 1848 gegen 1. FC Heidenheim 1846 e.V. schließt mit einem 1:1 unentschieden und vorherigen Spekulationen zum Trotz sitzt Andreas Luthe auf der Reservebank.

Die Konfliktkosten

Im konkreten Fall sind neben dem Trainer und den beiden Torhütern weitere Führungskräfe involviert. So zum Beispiel der Aufsichtsratvorsitzende Villis und der Sportvorstand Hochstätter. Es darf vermutet werden, dass ein solcher Konflikt auch Einfluss auf andere Mitglieder der Mannschaft hat und weitere Ressourcen für die Beabeitung der medialen Wogen benötigt werden. 

Arbeitszeit ist eine Resource für den Konflikt

Die Führungskraft und die Mitarbeiter verwenden Arbeitszeit und andere Ressourcen auf den Konflikt. Die Konfliktfähigkeit des Unternehmens beeinflusst, wie lange der Konflikt weiter befeuert wird und wann Gegenmaßnahmen eingeleitet werden. Weitere Personen werden auf der einen oder anderen Seite als Verbündete einbezogen. Die Leistung der Mannschaft geht zurück, denn die Konzentration wird von den eigentlichen Tätigkeiten abgezogen. Zur Berechnung von Konfliktkosten sind zwei Modelle verbreitet. Oft werden die Kosten der Arbeitszeit der involvierten Personen und sonstige Kosten summiert. Ein anderes Modell betrachtet den Umsatz pro Mitarbeiterstunde und ermittelt den entgangenen Umsatz.

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Stephan Beckmann, Wirtschaftsmediator IHK, sb@mediation-beckmann.de
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